Rothenburg ob der Tauber
Freitag, November 24th, 2006Das kleine, mittelalterliche Städtchen Rothenburg ist ideal für einen Kurzurlaub von vier bis fünf Tagen geeignet. Die Altstadt selber bietet mit ihren historischen Gebäuden viele Besichtigungsmöglichkeiten, ein paar Museen und einige sehr gute Restaurants. Außerdem bieten sich kleinere Wanderungen rund um Rothenburg an, wo man dem Tourismustrubel der Straßen rund um den Marktplatz entkommen kann.
Stadtgeschichte
Eine erste Ansiedlung gründete der ostfränkische Adlige Reinger um 970 in Dettwang, unterhalb der heutigen Altstadt an der Tauber gelegen. Er ließ auch „ob der Tauber“ seine Grafenburg errichten. Das Grafengeschlecht stirbt jedoch bereits 1108 mit Graf Heinrich aus, der seinen Besitz inklusive der Siedlung Rothenburg dem Kloster in Comburg vermacht. Kaiser Heinricht V. bestätigt diese Schenkung jedoch nicht, ab 1137 hält König Konrad in Rothenburg Hof und überlässt die Burg seinen Vögten.
1172 erhält Rothenburg die Stadtrechte, die erste Stadtmauer wird gebaut, 1274 wird Rothenburg schließlich freie Reichsstadt. 1352 wird die Stadt unabhängig vom Reich und erhält die Blutsgerichtsbarkeit.
Um 1400 Blütezeit der Stadt unter ihrem Bürgermeister Heinrich Toppler, der ganz nebenbei auch noch Feldhauptmann der Städte Ulm, Dinkelsbühl und Nördlingen ist. Er wurde jedoch schließlich wegen Verdachts der Konspiration verhaftet und in die Verliese unter dem Rathaus gesteckt, wo er schließlich auch stirbt.
Mit dem Beginn des dreißigjährigen Krieges beteiligt sich auch Rothenburg an den Kosten, muss Truppen aufstellen und Winterquartiere zur Verfügung stellen, was die Stadt schließlich finanziell ruiniert. Mit dem Friedensschluss 1648 muss die Stadt 50.000 Gulden Kriegslast bezahlen, die sie selbst nicht mehr aufbringen kann. Davon erholt sich die Stadt lange nicht mehr und sinkt in die Bedeutungslosigkeit ab, bis sie 1802 schließlich die Unabhängigkeit verliert und an Bayern angegliedert wird.
In den letzten Kriegsmonaten des zweiten Weltkriegs wird die Stadt Opfer einer Nebelwand: Diese bestand nämlich über dem ursprünglichen Ziel einer amerikanischen Fliegerstaffel, so dass diese ein „Ausweichziel“ beschießen mussten. Die Altstadt wurde stark zerbombt, darunter auch das gotische Rathaus und ein Teil der Stadtmauer. Nur durch das Eingreifen eines amerikanischen Generals konnte die völlige Zerstörung durch den Einsatz der Artillerie verhindert werden.
Nach dem Krieg konnte jedoch durch Spenden aus In- und Ausland das historische Stadtbild großteils wieder hergestellt werden.
(siehe auch noch etwas ausführlicher: http://www.rothenburg.de/d/ISY/index.php?get=1614)
Sehenswertes in der Stadt (Ausschnitt)
Stadtmauer und Türme
Mit zu den eindrücklichsten „Gebäuden“ bzw. Stadtanlagen gehört meiner Ansicht nach die Stadtmauer. Sie ist bis auf einen Abschnitt von ca. 750m komplett erhalten und zu besichtigen. Auf dem überdachten Wehrgang kann man somit einmal fast die Altstadt umrunden, vorbei bzw. hinweg über die Stadttore und Wehranlagen, die man ebenfalls besichtigen kann. Während die Besichtigung der Mauer umsonst ist und man sich dort zu jeder Tages- und Nachtzeit aufhalten kann, sind die größeren Türme gegen eine kleine Gebühr und nur zu bestimmten Öffnungszeiten zu besichtigen.
Spitaltor/-bastion
Die jüngste Toranlage in der Stadtmauer (fertig gestellt 1586). Achterförmiges Bollwerk mit zahlreichen Toren, Fallgittern und ehemals einer Zugbrücke. Darüber befindet sich ein mit Geschützen befahrbarer Wallgang, der auch umsonst besichtigt werden kann.
Klingentor und St. Wolfgangskirche
Unbedingt anschauen!! An die Toranlage aus dem 13. Jh. ist eine kleine Wehrkirche (um 1500) angebaut, die mit einem Geschützboden im Obergeschoss und Kasematten im Untergeschoss aufwartet.
Burg
Die mittelalterliche Burg ist heute – aufgrund eines Erdbebens im Jahre 1356 – nicht mehr erhalten. Lediglich ein Teil des Palas steht noch, der später zu einer kleinen Kirche umfunktioniert wurde. Das Areal der Burg wurde jedoch nie überbaut, nachdem es zunächst als Steinbruch diente, ist es heute ein kleiner Park auf einem Sporn oberhalb der Tauber.
Kirchen
Franziskanerkirche – Älteste Kirche Rothenburgs, berühmt für ihren Franziskusaltar von Tilman Riemenschneider. Begraben liegt hier unter anderem auch Dietrich von Berlichingen, Großvater des Götz…
St. Jakob – Riesig! V.a. dass an einer Stelle die Straße drunter durch fährt ist sehr beeindruckend! Ansonsten: auch hier ein sehr beeindruckender und bedeutender Altar von Tilman Riemenschneider (eilig-Blut-Altar)
Museen
Kriminalmuseum – hochgelobtes Museum über Rechtsgeschichte, aber katastrophal aufgebaut und irgendwann einfach nur ermüdend, weil sich alles unstrukturiert wiederholt. Muss man nicht wirklich gesehen haben!
Historiengewölbe – klein, aber fein wird hier u.a. mit lebensgroßen Puppen ein Querschnitt durch die Gesellschaftsschichten der Stadt zur Zeit des dreißigjährigen Krieges gegeben. Interessant und kurzweilig!
Reichsstadtmuseum – Klassisches Stadtmuseum, ganz okay.
Weihnachtsmuseum – war ich nicht drin, weil mir der Eintritt von 5,- Euros dann doch zu teuer war. Aber der Laden ist ein Blick wert! Weihnachten das ganze Jahr! Bizarr! Tipp: Japanisch-Wörterbuch mitnehmen!
Umgebung
Dettwang – älteste Ansiedlung im Umkreis, sozusagen „Vorgängersiedlung“ von Rothenburg, nettes kleines Dörflein mit schöner kleiner romanischer Kirche.
Toppler-Schlößchen – kleiner Wohnturm, Sommerdomizil des wohl berühmtesten Bürgermeisters der Stadt. Wirkt bizarr, wie ein Vogelhäuschen. Zu bestimmten Zeiten zu besichtigen, bin leider nicht drin gewesen.
Japanerhorden
Es empfiehlt sich vielleicht, ein Hotelzimmer in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes zu beziehen. Dann kann man nämlich bereits beim ersten Blick aus dem Fenster – unabhängig von der genauen Uhrzeit - dem Schauspiel vorbeihetzender Japanergruppen widmen, die ein zugegeben volles Programm haben, schließlich müssen sie ja am Nachmittag auch noch Heidelberg ansehen… ![]()
Kulinarisches
Zwei Hotspots, die man unbedingt aufsuchen muss:
Mittelalterliche Trinkstube „Zur Höll“ – im angeblich ältesten Gebäude der Stadt, das wohl noch bis ins 9. Jh. zurückreichen soll. Genauere Infos waren leider nirgends zu kriegen. Ausgezeichnetes Essen (warm und kalt), ausgezeichneter Wein, erschwingliche Preise.
http://www.romanticroad.com/hoell/german/dine.htm
Bügerkeller – Obwohl direkt in der Herrengasse gelegen, ist er leicht zu übersehen. Empfehlenswert: „Schnitzel mal anders“ = panierter Emmentaler. Ein Gedicht! Und der Wein…
Sonstiges
Führung mit dem Nachtwächter
Sehr nette Führung des Nachts mit dem altertümlich sprechenden Nachtwächter, der einem die Stadtgeschichte in netten Erzählungen näher bringt. Kosten: 5,- Euro pro Person, die aber gut angelegt sind. Tipp: Führung nicht am Wochenende machen, sonst hat man 100 Leute mit dabei…
Hotels
Wenn man sich mal was gönnen will, sollte man sich ein Zimmer im Gotischen Haus in der Herrengasse nehmen. Wie der Name schon sagt: Es handelt sich um ein in gotischer Zeit entstandenes Haus, das ursprünglich das Brotbackhaus des Franziskanerklosters war. Kosten für ein Doppelzimmer liegen zwischen 86 und 150 Euro, aber auch die kleinen Zimmer für um die 100 Euro sind wundervoll! Was für Romantiker…
Fazit
Es gibt viel anzuschauen, v.a. natürlich mittelalterliches und frühneuzeitliches, die Preise sind erstaunlich moderat, dafür dass es ein Touristenort ist! Essen gehen in München ist auf jeden Fall teurer. Museumsbesuche/Sehenswürdigkeiten: zwischen 1-3,- Euro, ein Vierterl Wein zwischen 3,50-4,50 (unbedingt dem Bier vorzuziehen!), Hauptgerichte ab ca. 7,- Euro…
Man sollte aber auf jeden Fall nicht in der Hochsaison hinfahren, am besten sind wahrscheinlich Frühjahr oder Herbst geeignet, sonst ertrinkt man in Japaner- und Amerikanerhorden.