Archive for Oktober, 2006

Die Vogelherdhöhle (Baden-Württemberg)

Sonntag, Oktober 15th, 2006

In der Vogelherdhöhle wurden Skelettreste und Statuetten aus der Zeit um 33000 v. Chr. gefunden. Darunter ist ein Pferd, ein Mammut, sowie ein Löwenköpfchen. Es handelt sich hier also um den Fundort einiger der ältesten „Kunstgegenstände“ des Aurignacien.
Man fährt von München aus auf der Autobahn A8 in Richtung Ulm, und biegt beim Autobahnkreuz Ulm/Echingen auf die A7 in Richtung Feuchtwangen ab. Schon auf der Autobahn wird man durch eines dieser braunen Schilder auf die Höhle aufmerksam gemacht. Nach ca. 15 km. verlässt man die A7 an der Abfahrt Niederstotzingen in Richtung Niederstotzingen. Nachdem die Ortschaft Bissingen durchfahren wurde, überquert man einen Bach (die Lone), kurz darauf biegt ein Feldweg links ab.

An der Abzweigung des Feldweges ist eine Schautafel, auf der die Funde aus der Höhle vorgestellt werden, und ein kleiner “wilder” Parkplatz. Man folgt dem Trampelpfad rechts den Hang hinauf und steht bald vor einem der drei Eingänge in die Höhle. Etwas weiter oben findet sich der Eingang zur kleinen Vogelherdhöhle. Die Höhlen ist nicht touristisch erschlossen, deshalb unbedingt eine Taschenlampe mitnehmen!
Die Funde aus der Vogelherdhöhle können im Museum in Ulm, sowie im Thübinger Schloss besichtigt werden.
Fazit: als alleiniges Ausflugsziel eignet sich die Vogelherdhöhle nicht. Aber einen kurzen Abstecher lohnt sich allemal, wenn man in der Gegend ist (zum Beispiel auf dem Weg ins Römermuseum Aalen) und Lust auf ein kleines bisschen Höhlenabenteuer hat.

Augst - Die Colonia Augusta Raurica

Sonntag, Oktober 15th, 2006

Wo liegt´s?

Auf der schweizer Seite des Rheins, zwischen Basel und Rheinfelden (380 km von München entfernt)


Was gibt´s zu sehen?

Die Überreste der römischen Colonia Augusta Raurica
Über der Colonia liegt heute das Dorf Augst, weshalb manche Ruinen mitten auf der Kuhweide stehen – und auch die Kühe zeigen mitunter ein reges Interesse an vorwitzigen Besuchern.

Da sich der größte Teil der Anlagen unter freiem Himmel befindet, und das Gelände zum größten Teil per pedes durchwandert werden muss, ist es zu empfehlen bei schönem Wetter oder mit gutem Regenschutz nach Augst zu fahren.

Aufgrund der Größe des Geländes muss man mit einem halben bis einem Tag rechnen, wenn man sich alles in Ruhe anschauen möchte. Da einige Grillplätze am Amphitheater und dem Tempel vom Schönbühl vorhanden sind, kann man das Besichtigen auch mit dem Angenehmen verbinden (und trotz Picknickanlagen war das Gebiet gepflegt und müllfrei…saubere Zeitgenossen, diese Schweizer! ;))
Besichtigen kann man unter anderem das Forum mit sehr gut erhaltenen Mauern im Bereich der Curia, das rekonstruierte Theater, mehrere Reste von Tempeln und ein Amphitheater, sowie Reste der spätantiken Siedlung Kaiseraugst, die allerdings besonders stark überbaut ist. Außerdem gibt es noch einen kleinen römischen Haustierpark, der sich allerdings noch im Aufbau befand, als ich da war (April 2006).

Als Besonderheit möchte ich das sehr gut erhaltene Brunnenhaus erwähnen, und die unterirdische Teilstrecke der Kloake, die man auf ca. 100 Meter durchqueren kann (Taschenlampe mitnehmen!)
Das gesamte Gebiet ist sehr gut durch vier verschiedene Rundwege erschlossen, Schautafeln bieten knappe Erklärungen und immer wieder kann man in überdachten Unterständen oder Schuppen kleine Ausstellungsvitrinen oder Rekonstruktionen besichtigen. Eine Karte, auf der die Rundwege und alle kleinen Besichtigungsstationen verzeichnet sind, gibt es kostenlos im Museum.
Das Museum ist ziemlich klein und übersichtlich und bietet als Highlight den Silberschatz von Augst (bzw. Teile davon), ansonsten ist für den fachkundigen Archäologiestudenten wenig Neues zu sehen. Allerdings wurde auch im Museum sehr viel Wert darauf gelegt, die Funde für Laien und Kinder anschaulich zu präsentieren, so kann man zum Beispiel die Echtheit von Münzen mit Lupen auf ihre Echtheit überprüfen, es gibt Videoinstallationen, die reiche und arme Römer beim Essen zeigen und den Nachbau eines römischen Hauses in Originalgröße.


Wo gibt´s genaue Informationen?

Die Schautafeln im Gelände sind für fachlich Interessierte manchmal etwas knapp geraten -ausführlich informieren kann man sich über die Ruinen, die Grabungen und die Geschichte von Augst in dem Führer durch Augusta Raurica von Ludwig Berger, der viele Pläne und eine topografische Karte von der Colonia beinhaltet und auch Ruinen beschreibt, die heute nicht mehr obertägig sichtbar sind. Mehrere Exemplare davon sind in unserer Bibliothek zu finden (auch zur Referatsvorbereitung wärmstens zu empfehlen *räusper*)

Was kostet der Spaß?

Die Anlagen im Freigelände sind kostenlos zu besichtigen, das Museum kostet Eintritt (5 bzw. 7 Euro), die Nutzung der Parkplätze bis auf den direkt vor dem Museum ist kostenlos.

Wie sieht´s mit den Öffnungszeiten aus?

Die Ruinen sind nicht abgesperrt und immer zu besichtigen, das Museum und die Schutzhütten haben im Winter (November bis Februar) von 10 bis 16,30 Uhr geöffnet, im Sommer eine halbe Stunde länger.

Wie kommt man hin?


Über die Autobahn in Richtung Lindau, an St. Gallen vorbei in Richtung Basel, allerdings ist diese Strecke mautpflichtig. Die Strecke ist ca. 380 km lang.

Es war allerdings weder auf der Hin- noch auf der Rückfahrt ein Problem in der Schweiz die Landstrasse zu benutzen, die meistens parallel zur Autobahn verläuft (dauert dementsprechend länger, wir haben insgesamt etwa fünf Stunden gebraucht).

Was gibt´s in der Umgebung zu sehen?

Auf dem Weg nach Augst kann man sich die Wiese ansehen, auf der einmal das Legionslager von Dangstetten (D) war, in Laufenburg (D) gibt es die konservierten Grundmauern einer Villa rustica und bei Wallach (CH) kann man nach den Fundamenten eines spätantiken Wachturmes im Unterholz suchen (beim Waldhaus). Wer dringend mal etwas Abwechslung von den ganzen römischen Ruinen benötigt, kann sich in der Tschamberhöhle bei Rheinfelden oder in der Erdmannhöhle bei Hasel hinter Schopfheim verkriechen (bis 17 Uhr geöffnet).

Zu einem etwas längeren Zwischenstopp lädt Windisch/Vindonissa (CH) ein, wo man ein kleines Amphitheater, die Reste eines Stadtores und ein Römermuseum besichtigen kann, welches leider schon geschlossen hatte, als ich da war (auch hier schließen die Museen um 17 Uhr).
Kneipentip in Rheinfelden:

Die schweizer Seite von Rheinfelden besitzt eine urige Altstadt mit einigen netten Fachwerkhäusern. Ganz am Ende der Fußgängerzone gibt es einen Western-Saloon, in dem man sich wunderbar von der römischen Kultur entspannen kann, und mit etwas Glück in die Zelle am Eingang gesteckt wird, wenn dort nicht gerade der Stammtisch stattfindet.

Die deutsche Seite ist eine ganz normale Kleinstadt mit Industrieviertel, weniger urig, allerdings mit etwas studentenfreundlicheren Preisen.

Das Musée Départemental de Préhistoire de Solutré

Freitag, Oktober 13th, 2006

Das Solutréen kennt der Archäologiestudent einmal durch die gleichnahmige Zeitstufe (ca. 20 000-16 000 v. Chr.), zum anderen durch die wilder Geschichte über die tausende, von Menschen über eine Klippe gejagten, und sich in den Tod stürzende Pferde.

Der Felsen, von dem die Großsäuger angeblich in den Tod getrieben wurden, ist in der Tat spektakulär - es lohnt sich also, bei einem Abstecher in diese Gegend neben dem Besuch des Museums ausreichend Zeit für die Erkundung der Umgebung einzuplanen.

Beim Fundplatz von Solutréen handelt es sich um eine jungpaläolithische Fundstelle, and der über einen langen Zeitraum hinweg Pferde und Rentiere gejagt und geschlachtet worden sind. Neben Steingeräten, Werkzeugen und Knochen mit Bearbeitungsspuren sind auch einige Statuetten von Mammuts und anderen Tieren gefunden worden (nicht nur aus dem Solutréen, sondern auch aus dem Aurignacien, Gravettien und Magdalenien).

Das in den Berg gebaute Museum ist klein, aber modern und hält auch Gimmicks wie sich selbst auseinandernehmende Feuersteinknollen bereit.

Neben der Dauerausstellung gibt es wechselnde Sonderausstellungen sowie eine Audiovisionsshow und einen Film (jeweils ca. 15 min.).

Putzig und detailverliebt sind auch die Dioramen, man hat sich hier wirklich Mühe gegeben, die Steinzeit auch für Laien lebendig darzustellen.

Hier erfährt man dann auch, dass die Geschichte mit den abgestürzten Pferden der Phantasie des Ausgräbers Adrien Arcelin entsprungen ist, sowie moderne Erklärungen für den Befund.

Erfreulicherweise gibt es im Museum nicht nur einen französischen, sondern auch einen englischsprachigen Führer (um die 10 Euro). Überhaupt ist das Museum sehr touristenfreundlich - für diejenigen unter uns, die der französischen Sprache nicht mächtig waren, gab es kleine Hefte, in denen die Texte zur Sonderausstellung übersetzt worden sind.

Außerhalb des Museums gibt es einen Garten, in dem urzeitliche Gewächse anpflanzt sind, die sich allerdings zu der Zeit, in der ich da war augrund extremer Trockenheit nicht sonderlich von der neuzeitlich vertrockneten Fauna unterschieden. Aufregender als das Steinzeitgemüsebeet ist der Felsen von Solutréen selbst, den man mit festem Schuhwerk auf zwei Routen in ungefähr einer halben Stunde erklettern kann. Ist zwar etwas anstrengend, man wird allerdings mit einem fulminanten Panoramablick belohnt.

Öffnungszeiten (Stand: Sommer 2006)

April bis September: 10 - 18 Uhr

Oktober bis März: 10 - 12 Uhr und 14 - 17 Uhr

Dezember, 1. Januar, 1. Mai: geschlossen

Website: www.musees-bourgogne.org

Anreise: Solutreen liegt mit dem Auto circa eine viertel Stunde entfernt von Macon. Die Ausfahrt ist Macon Sud, die nächstegelegenen Ortschaften sind Pouilly und Vergisson.

Felsen von Solutréen