14. November 2006
Mühlbach am Hochkönig
Nur einen Tag nach der Exkursion in die Westschweiz und nach Burgund, und damit genau einen Tag nach der Besichtigung der spektakulären Ausstellung im Latenium, war ich zufällig in Mühlbach am Hochkönig und habe pflichtschuldigst das dortige Bergbaumuseum mit Schaustollen besichtigt. Ein wichtiger prähistorischer Kupferbergbau, dessen Kupfer Ernst Pernicka gerne mit der Himmelsscheibe von Nebra in Verbindung bringen möchte. Das Museum konzentriert sich aber auf Geologie (durch die ich nur mal kurz durchgeschlendert bin) und die neuzeitliche Kupfergewinnung (ab 1829). Lediglich eine Vitrine zeigt Funde, darunter Gusskuchen, Werkzeug und erhaltenes Holz (!), daneben war in einer Ecke „eine Darstellung der Arbeit der Kelten“ aufgebaut – naja!
Zurzeit gibt es eine Sonderausstellung, in der dann noch drei weitere Vitrinen mit Funden aus UK-, Hallstatt- und Latènezeit zu finden waren. Und eine hässliche Replik der Himmelsscheibe mit lokalpatriotischen Erklärungen…
Am lustigsten war eigentlich die Filmvorführung eines österreichischen Dokumentarfilmes, schätzungsweise aus den 50er Jahren. Dort wird 30 Minuten lang ein junger Bergmannlehrling (Peter) begleitet wie er das Schmieden lernt, von einem Alpöhi ein paar prähistorische Klopfsteine und Gusskuchen erklärt bekommt und auch sonst recht frisch, jung und frei voller Leuchten in den Augen Bergmann werden will, was seitens der Arbeitsbedingungen eigentlich gar nicht so lustig aussieht.
Der Schaustollen wurde von einem ehemaligen Bergmann vorgeführt, der 30 Jahre unter Tage gearbeitet hat (der Kupferbergbau wurde 1977 aufgegeben, dementsprechend war der Bergmann gefühlte 120 Jahre alt und muss den Film-Peter gut gekannt haben). Deshalb mussten wir ein paar Pausen machen, da sein Kreuz nicht mehr das stabilste war. Dafür erzählte er uns in wildem Österreichisch von seinem ehemaligem Arbeitsplatz. Ich habe kaum etwas verstanden und in meiner Gruppe waren sonst noch ein Berliner und vier Holländer… Aber es war nett ihm zuzusehen, wie er so rumgebohrt und gehämmert und erklärt hat. Allerdings ist er 75 und hört noch dieses Jahr (2006) auf mit den Führungen. Im Stollen schimmelt es und es ist feucht. Es gibt auch eine Installation von Puppen, die demonstrieren soll, wie prähistorischer Bergbau funktioniert (laut unserem Reiseleiter 2cm im Jahr und völlig ohne Werkzeug, logo!) und das war’s auch schon.
Fazit: Bedingt empfehlenswert, wenn man in der Gegend ist ganz nett.
3,-Euro für Museum und Schaustollen für Studenten, sonst 5,- Euro. Öffnungszeiten Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Die Führung für den Stollen dann immer nur um 16 Uhr, Treffpunkt am Museum.
Webseite: http://www.bergbau-museum.sbg.at/